Ist das noch gesund? – Der Gesundheitspodcast der Techniker Zusammenfassung
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Der Ist das noch gesund? – Der Gesundheitspodcast der Techniker Podcast
Der Podcast "Ist das noch gesund? – Der Gesundheitspodcast der Techniker" ist eine wertvolle Ressource für alle, die sich für ihre Gesundheit interessieren und darüber offen sprechen möchten. In jeder Episode widmet sich Dr. Yael Adler einem spezifischen gesundheitlichen Thema und beleuchtet es aus verschiedenen Perspektiven. Mit ihrer Expertise und einfühlsamen Art spricht sie über Themen, die viele Menschen bewegen, aber oft im Verborgenen bleiben. Dazu gehören Depressionen, Akne und das Prämenstruelle Syndrom (PMS), um nur einige zu nennen.
Dr. Yael Adler scheut sich nicht davor, auch vermeintliche Tabus anzusprechen. Sie ist davon überzeugt, dass der offene Dialog über leise Befürchtungen und ernsthafte Krankheiten ein Schlüssel zu einem besseren Schutz und Verständnis unserer eigenen Gesundheit ist. Die Hörerinnen und Hörer werden dazu eingeladen, sich aktiv mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Jede Folge von "Ist das noch gesund?" bietet tiefgehende Informationen und praktische Ratschläge, die im Alltag anwendbar sind. Der Podcast erscheint alle vier Wochen und ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, kontinuierlich mehr über wichtige Gesundheitsthemen zu erfahren. Egal, ob man bereits ein gesundheitsbewusster Mensch ist oder gerade erst beginnt, sich intensiver mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen – dieser Podcast bietet für jeden etwas. Tauchen Sie ein in spannende Gespräche und erweitern Sie Ihr Wissen mit jeder Episode.
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Fast acht Millionen Deutsche konsumieren Alkohol in riskanter Form. Die Journalistin Eva Biringer gehörte lange dazu. Bis die Journalistin und Autorin beschloss, nüchtern zu bleiben. Im Gespräch mit Yael Adler erzählt sie, was der Alkohol ihr gegeben und was er ihr genommen hat.
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Zusammenfassung lesenHallo und herzlich willkommen zu ist das noch gesund? Der Podcast der Techniker. Ich bin Dr. Yail Adler, Ärztin mit eigener Praxis in Berlin. Und diese Folge ist eine ganz besondere. Es ist unsere Jubiläumsfolge, denn der TK Podcast wird fünf Jahre alt. Ich sage Happy Birthday und ich freue mich natürlich auf viele weitere interes, interessante Themen, spannende Gäste und jede Menge Gesundheitswissen. Ich hoffe, ihr auch. Und jetzt zur heutigen Folge. Wir sprechen über chronische Schmerzen. Für etwa bis zu 19 % der Menschen in Deutschland ist Schmerz ein ständiger Begleiter. Aber was genau passiert im Körper, wenn ein Schmerz chronisch wird? Wie kann man das verhindern? Und was hilft, wenn man selber betroffen ist? Darüber sprechen wir heute mit Dr. Claudius Gall. Er ist Facharzt für Neurochirurgie mit der Zusatzbezeichnung spezielle Schmerztherapie. Er leitet eine Schmerzwerkstatt, wo mehrere Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen interdisziplinär das Thema Schmerz betrachten und so auch weiterhelfen. Außerdem ist der Oberarzt in der Abteilung für minimalinvasive Schmerztherapie in der Maria Theresia Klinik München, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Ludwig Maximilians Universität. Und jetzt geht's los. Schön, dass sie heute da sind und vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen, endlich mal dieses wichtige Thema zu beleuchten. Also auch vielen herzlichen Dank für die Einladung. Grüße hier aus München. Und ich freue mich schon auf unser Gespräch, weil es geht ja um mein Herz und Leibesthema, nämlich der Schmerz. Was ist denn Schmerz eigentlich? Also wenn man es ganz einfach runterbricht, kann man sa Schmerz ist eine Wahr nehmung. Und in dem Wort Wahrnehmung steckt ja schon, dass ein Schmerz nicht eingebildet sein kann. In der Fachsprache bezeichnet man diese Wahrnehmung als Perzeption. Also ein Reiz löst eine entsprechende Sinneswahrnehmung aus. Ein Schmerzreiz löst dementsprechend eine Schmerzwahrnehmung aus. Ich glaube, das ist die einfachste Grundlage. Und gibt es denn unterschiedliche Schmerzarten? Selbstverständlich. Also wenn wir eine Schmerzw wahrnehmung haben, dann ist die immer echt. Die wichtigste Botschaft und ich glaube, das ist das, was man aus diesem Podcast mitnehmen sollte, ist, es gibt keinen eingebildeten Schmerz, aber es gibt unterschiedliche Schmerzentstehungsmechanismen. Und diese Schmerzentstehungsmechanismen sind vor allem in der Therapie extrem wichtig, weil je nach Mechanismus muss ich die entsprechende oder kann ich die entsprechende Therapieform wählen, die für den Patienten tatsächlich dann zu einer Schmerzerleichterung oder Schmerzminderung führt. In meinem Fach Dermatologie spricht man oft von Juckreiz und der sei verwandt mit dem Schmerz. Ist das so? Ist das eine Vorstufe also wenn man es aus der Physiologie heraus betrachtet, sind sensible Fasern, also Fasern, die fürs Gefühl zuständig sind, andere Fasern als diejenigen, die für die Schmerzentstehung und Schmerzübermittlung zuständig sind. Und wenn man diesen Gedanken dann konsequent zu Ende denkt, müsste man sagen, dass der Juckreiz, der über die sensiblen Fasern geleitet wird, keine Vorstufe zum Schmerz ist, weil das wiederum einen anderen Teil der Nervenstrukturen betrifft. Sehr interessant. Es gibt ja so auch dieses Wohlweh. Das ist ja auch ein Schmerz, der aber irgendwie als angenehm empfunden wird, wenn man z.b. sich auch noch mal zurück zum Juckreiz ni wenn man sich ganz doll kratzt und das lindert dann den Mückenstich, Juckreiz, aber es tut halt auch irgendwie weh. Es aber trotzdem irgendwie angenehm und erleichternd. Also das ist so der Alltagsschmerz, den ja jeder kennt, oder bei der Massage oder beim Dehnen. Also Schmerz ist doch nicht immer nur was Böses. Nein, überhaupt nicht. Und ich finde es sehr, sehr gut, dass sie das so beleuchten. Die Wahrnehmung an sich, die wird auch immer durch die entsprechende Person bewertet. Das können sie sich vorstellen, wenn sie eine Geschmackswahrnehmung haben. Sie trinken ein wunderschönes Glas Rotwein und sie haben einen angenehmen Geschmack im Mund. Wenn der Hund den gleichen Rotwein trinkt, dann findet er den nicht gut. Oder ihr Bruder oder ihre Schwester den gleichen Rotwein, dann findet ihr nicht gut. Das heißt, die Perzeption ist die gleiche in allen Individuen. Aber die Bewertung der Perzeption variiert von Person zu Person und auch von Zeitpunkt zu Zeitpunkt. Und die Beispiele, die sie genannt haben, zeigen, es gibt auch einen Schmerz, den man als positiv bewertet. Sie haben vorhin schon von Nervenfasern gesprochen. Wie entsteht also Schmerz? Wir haben im gesamten Körper verschiedene Schmerzfasernden. Und wenn diese Schmerzfaser Enden durch eine Vielzahl von Reizen aktiviert werden, dann kommt es zu elektrischen Impulsen. Diese elektrischen Impulse wandern sozusagen entlang der Nervenfaser rückenmar vom Rückenmark über die entsprechend aufsteigenden Nervenbahnen ins Gehirn und werden dann im Gehirn im Bewusstsein als Schmerz wahrgenommen. Und diese Schmerzfasern können gereizt werden durch Verletzungen mit Schnitten, durch Hitze, durch Druck, Quetschungen. Ganz verschiedene Noxen führen zu einer Aktivierung dieser Schmerzbahnen oder Schmerzfaser. Es gibt ja auch Entzündungen. Da weiß man ja, da gibt es Botenstoffe, die freigesetzt werden. Sie haben ja gesagt, es gibt unterschiedliche Nervenfasern und unterschiedliche Trigger. Gibt es auch noch unterschiedliche Botenstoffe? Ja, also es gibt eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Botenstoffen. Die Entzündungsmediatoren die Leukotriene, Substanz P, einfach nur um ein paar zu nennen. Das sind diejenigen Substanzen, die an diese Nervenendigungen der Schmerzfasern binden und dann entsprechend elektrische Impulse generieren. Und die können sowohl lokal wirken, wenn ich eine entzündete Kniegelenksgeschichte habe, eine Kniegelenksarthrose, als auch systemisch, das heißt im gesamten Körper. Typisches Beispiel für so eine entzündliche Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft, wäre z.B. rheuma, eine rheumatoide Polyarthritis oder auch bestimmte Autoimmunerkrankungen. Da können genau solche Phänomene die Ursache für ein Schmerzerleben darstellen. Können sie denn mal die Schmerzqualitäten ein bisschen näher beschreiben, also wie die sich so unterscheiden? Kann man das in Worte kleiden? Ich glaube, man kann das sehr, sehr gut in Worte kleiden. Und ein wesentlicher Teil dessen, was wir in Anführungszeichen messen können, sind genau solche qualitativen Beschreibungen. Also ein Schmerz kann heiß sein, er kann dunkel sein, er kann dumpf sein, er kann spitz sein, er kann brennend sein, er kann drückend sein, er kann dumpf sein. Also ganz unterschiedliche Qualitäten. Und für uns in der Medizin wichtig ist die Tatsache, dass bestimmte Schmerzqualitäten anzeigen, ob ein Schmerz ein akuter Schmerz ist oder eben schon ein chronfizierter Schmerz. Also klassischerweise kann es bei chronischen Schmerzpatienten nach mehreren Monaten einer Schmerzanamnese, eines Schmerzverlaufes, zu einer Änderung der Schmerzqualität kommen. Der Schmerz wird plötzlich brennend und in dem Moment, wo mir der Patient erzählt, ich habe jetzt einen Brennschmerz, weiß ich, ab sofort haben wir es mit einem chronifizierten Schmerzgeschehen zu tun. Und dann muss ich keine Denkrichtungen ganz weit aufmachen. Als Medizinstudenten und junge Ärzte lernte man Patienten zu befragen, wie doll ist denn ihr Schmerz auf einer Skala von eins bis 10? Oder es gab Vergleiche mit Herdplatten. Können sie noch etwas über die Schmerzstärke sagen und was das bedeutet? Bei diesen Einteilungen zwischen null und 10, da spricht man von der visuellen Analogskala oder der NRS, der numerischen Rating scale, als sind die beiden Bezeichnungen, wird die Schmerzstärke eingeteilt, und zwar durch den Patienten nach seinem subjektiven Erleben. Und es geht uns als Schmerztherapeuten überhaupt nicht darum zu sagen, wie stark ist der Schmerz im individuellen Patienten jetzt, sondern wir wollen herausfinden, wie wahrscheinlich ist das vorliegen eines inzwischen chronfizierten Schmerzes. Und da weiß man aus einer Vielzahl von medizinischen Studien, je häufiger und je länger der Schmerz oberhalb von fünf ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit der Chrodifizierung. Das ist das eine. Und das zweite, was wichtig ist, und deswegen fragen wir diese Skalen im Verlauf, wir wollen einfach einen Parameter haben, um festzustellen, wie funktioniert unsere Therapie? Profitiert der Patient von der Therapie? Wenn er das tut, wird er nach drei Monaten eine deutlich geringere Schmerzstärke haben als zum Eingangszeitpunkt. Das ist der zweite Aspekt. Und wie unterscheidet sich chronischer von akutem Schmerz? Genau, das Schmerzrleben, die Schmerzwwahrnehmung ist bei beiden Fällen die gleiche. Der akute Schmerz zeigt eine Gewebszerstörung an, der akute Schmerz hat eine Warnfunktion. Beispiel Hand auf, heißer Herdblatt. Es kommt zu einer Gewebszerstörung, es werden bestimmte Substanzen freigesetzt, die binden an die freien Nervenendigungen. Zack, der Impuls, der Schmerzimpuls wird ins Gehirn geleitet und dort wahrgenommen. Beim chronischen Schmerz verselbstständigt sich dieser Mechanismus. Es liegt keine Gewebchädigung mehr vor, die Warnfunktion geht verloren. Typisches Beispiel für so einen chronischen Schmerz, das erzähle ich fast allen meinem Patienten, wäre der Phantomschmerz. Das beIN ist vor 10 Jahren bei einem Motorradnfall verloren gegangen und bei einer bestimmten Rückenbewegung oder beim Wetterwechsel tut mir jetzt ein nicht mehr vorhandenes Kniegelenk weh. Das heißt, es gibt Schmerzzustände, wo der Ort der Schmerzentstehung nicht mehr dem Ort der Schmerz wahrnehmung entspricht. Und damit stellt sich die Frage, ja, woher genau kommt denn dann dieser als chronisch bezeichnete Schmerz? Und die Antwort ist ganz diesem chronischen Schmerzgeschehen liegt eine Fehlfunktion des aufsteigenden Systems der Schmerzwahrnehmung, also es ist eine Nervenstörung zugrunde. Das ist was ganz anderes. Sie haben ja schon von der Schmerzstärke und dauer gesprochen, aber ab welchem Zeitpunkt kann man jetzt von chronischem Schmerz sprechen? Also das Risiko der Chronifizierung steigt exponentiell an, wenn ein Schmerz in der gleichen Körperregion immer wieder größer fünf für mehr als sechs Monate besteht. Das sind die drei wichtigen Rikofaktoren. Schmerzdauer länger als sechs Monate, Schmerzstärke immer wieder größer fünf und immer wieder die gleiche Lokalisation. So ein Freizeitsportler, der am Samstag kickt und jede Woche mit anderen Blessuren dann durch die Woche geht, der hat ein geringeres Chronifizierungsrisiko als jemand, der einen chronischen Rückenschmerz hat, wo der Schmerz immer an der gleichen Stelle hockt. Und was sind dann so die klassischen vielleicht Primärerkrankungen, die dann häufig zu solchen chronischen Schmerzsyndromen führen? Das ist für mich eine ganz, ganz schwierige Frage. Und zwar deswegen, weil ich glaube, dass es eine falsche Frage ist. Wenn wir uns anschauen, welche Patienten haben ein höheres Risiko, dass der Schmerz bei ihnen chronifiziert, dann sind es häufig Umgebungsfaktoren oder Resilienzfaktoren, wie man in der Medizin auch sagt. Beispielsweise wenn jemand eine vorbestehende Depression hat oder immer wieder depressive Episoden, dann hat ein deutlich erhöhtes Risiko, dass es zu einer Chronifizierung kommt. Oder wenn jemand Stresssituationen am Arbeitsplatz hat, eine Mobbingituation, oder wenn jemand Beziehungskonflikte hat, oder wenn er in seinem Leben schon sehr, sehr viel andere Schmerzen ertragen musste. Wir müssen uns den individuellen Menschen anschauen, um zu verstehen, wie ist dem seine Lebenssituation. Und dann können wir individuell das Risiko der Chronifizierung abschätzen. Ich glaube, das ist wichtiger als auf die organischen Diagnosen zu schauen. Das heißt, gibt es dann auch so Faktoren vielleicht wie Genetik oder auch kulturelle Prägung, also dass man in manchen Regionen der Welt empfindsamer ist als in anderen? Lassen sie mich mit der kulturellen Dimension des Schmerzes anfangen. Ich habe ja vorher gesagt, Perzeption, Schmerzw Wahrnehmung ist einfach echt und ist immer gleich. Aber der Schmerz unterscheidet sich dann in der Bewertung von Individuum zu Individuum. Und ich glaube, dass ein Teil des Musters oder des Rasters der Bewertungen auch entsprechenden sozialen Faktoren oder historischen oder kulturellen Faktoren unterliegt. Also der Umgang mit Schmerz ist ein anderer. Die Kultur, die Art und Weise, wie wir erzogen wurden, in welchen sozialen Kontexten wir aufgewachsen sind, spielt insgesamt ja im Umgang mit Krankheit eine ganz wichtige Rolle. Dürfen wir nie außer Acht lassen. Und beim Schmerz ist es eben besonders wichtig. Aber ich weigere mich zu glauben, das, was weiß ich, der Nordländer ein geringeres Schmerzempfinden hat als der Südländer. Nein, die Bewertung des Schmerzerlebens ist eine andere. Ja, und ich meine, wenn man Zahnschmerzen hat, wird das allen maximal wehtun wahrscheinlich. Völlig richtig. Und wie sieht es aus mit einem Lebensalter? Härtet man irgendwann ab oder wird man empfindsamer? Man kann sich nicht an Schmerz gewöhnen, Punkt. Also das ist ja das, was ich immer wieder in der Praxis erlebe. Mir macht der Schmerz inzwischen weniger aus. Dann sage ich immer nein, der Schmerz macht ihn nicht weniger aus, sondern ist einfach erfolgreich therapiert. Wenn sie mich fragen, tendenziell haben mehr ältere Menschen oder mehr junge Menschen chronische Schmerzen. Wir reden jetzt von chronischen, wir reden nicht von den akuten Schmerzen. Dann muss man für Deutschland eines sagen, und das ist glaube ich vielen Menschen in diesem Land überhaupt nicht bewusst. Wir haben in etwa 17, je nach Studie, 17 bis 19 % der Bevölkerung leiden an chronischen Schmerzen. Und der Anteil an Kindern und Jugendlichen ist nicht geringer als der von Erwachsenen. Ist der gleiche Prozentsatz bei den Kindern und bei den Jugendlichen ist es so, dass ein noch viel größerer Anteil dieser chronischen Schmerzen tatsächlich Ausdruck eines psychosozialen oder psychosomatischen Problems ist. Das sind andere Probleme. Und es wird in den Schmerz hinein projiziert. Bei den Alten ist es für mich so, eine der häufigsten Diagnosen, die ich in der Praxis stelle, ist Einsamkeit. Und ältere Menschen sind vermehrt einsam. Und wenn ich einsam bin, dann habe ich eine erhöhte Anfälligkeit, eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber der Chronifizierung von Schmerzen. Wenn man sich den chronischen Schmerz anschaut, dann geht es ja letztendlich um die was ist das Leid hinter dem Schmerz? Was sind die Belastungsfaktoren in einem individuellen Leben? Und wenn man sich anschaut, wie Familien auseinanderbrechen, wie soziale Großverbände einfach immer weniger werden, wie die Menschen in dieser Gesellschaft immer mehr vereinzeln, dann ist Einsamkeit auch gerade nach Corona bei den Jungen für mich einer der wichtigsten Co Faktoreen für die Chronfizierung von Schmerzen geworden. Es ist interessant. Es ist eine Art der Zivilisationskrankheit, aber ist eine Anti Zivilisationskrankheit, weil es genau das Gegenteil von Zivilisation ist. Das vereinsam aber auf jeden Fall ein Phänomen der modernen Zeit. Und die zweithäufigste Diagnose neben der Einsamkeit, die wir stellen, ist Angst. Menschen, die Angst haben, ihren Job zu verlieren oder Angst haben in der Beziehung. Das führt zu einer Ausschüttung von Stresshormonen. Und diese Stresshormone wiederum erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Chronifizierung. Gibt es unwahrscheinlich gute Daten dazu? Inzwischenreen. Das heißt, psychische Erkrankungen oder zumindest psychische Dysbalancen sind ein Risikofaktor. Richtig. Und der Schmerz wiederum ist ein Risikofaktor für die psychische Dysbalance. Ist die vorder Rückseite der gleichen Medaille. Können sie mal erklären, was Schmerzgedächtnis eigentlich ist? Ganzein Schmerz ist derjenige Reiz, dem der menschliche Organismus ausgesetzt ist, der die höchste Durchschlagskraft ins Gedächtnis hat. Sie sollen ein einziges Mal in ihrem Leben auf die heiße Herdplattelangen und danach sollten sie sich das gemerkt haben für den Rest ihres Lebens. Sie können 25 mal die gleiche Englischvokabel lernen, das ist evolutionär völlig wurscht. Also der Schmerz geht sofort durch ins Gedächtnis. Und das Schmerzgedächtnis besteht im Wesentlichen aus zwei anatomischen Einheiten. Das sind Einheiten im Bereich des Rückenmarks und es gibt Einheiten im Bereich des Gehirns, Gedächtnisinhalte, die evolutionär gesehen sehr, sehr alt sind. Und dieses Schmerzgedächtnis wird aktiviert dadurch, dass immer wieder Schmerz erscheint und immer wieder Schmerz abgespeichert wird. Man kann sich das so vorstellen als Bild. Die Schmerzbahn ist am Anfang ein Feldweg und mit jeder schweren Schmerzattacke bauen sie diesen Feldweg aus. Und wenn sie voll chronifiziert sind, haben sie eine sechsspurige Autobahn und jedes Auto, was dann nach oben fährt, ist ein Schmerzreiz. Das ist das Bild, was ich versuche, meinem Patienten an die Hand zu geben. Sehr anschaulich. Welche Regionen sind eigentlich am Körper besonders anfällig für Schmerzen? Also wahrscheinlich Kopfschmerz und Bauchschmerz oder sind das so die häufigsten Anatomien? Rückenschmerz, Kopfschmerz, Bauchschmerz, Rückenschmerz. Da haben wir die heilige Dreifaltigkeit der Schmerzmedizin. Okay. Und warum sind diese Körperregionen so anfällig? Da habe ich keine gute wissenschaftliche Erklärung dafür, die ich jetzt zitieren kann. Aus der eigenen klinischen Erfahrung und ich bin seit ungefähr zwei und dreiig Jahren inzwischen schmerztherapeut, sind es die Regionen, die am meisten auf die Ausschüttung von Stresshormonen reagieren. Also gehe immer mal am Beispiel Rückenschmerz durch. Wenn ich Stress habe, egal ob ich Ärger am Job habe, ob ich mich körperlich überanstrengt habe oder ob ich Ärger mit meinen Kindern habe, kommt es zur Ausschüttung von Stresshormonen. Und diese Stresshormone führen zu einer Tonuserhöhung der Haltemuskulatur, also der gegen die Schwerkraft gerichteten Muskulatur. Und die wichtigsten Antigravitationsmuskeln des Zweifüsslers sind die langen Rückenstrecker. Das heißt, es kommt zu einer entsprechenden Tonuserhöhung. Und wenn der Tonus eine bestimmte Grenze überschreitet, ist die Folge davon der Schmerz, primär der muskuläre Schmerz. Wenn sie jetzt noch zusätzlich im Laufe des Lebens entsprechende Abnutzungserscheinungen irgendwoann an der Wirbelsäule haben, dann werden die entsprechend betroffenen Segmente schon durch eine Voranspannung der Muskeln entsprechend stabilisiert. Das heißt, eine zusätzliche stressbedingte Tonuserhöhung in diesem Bereich wird viel früher zum Schmerz führen. Und der Schmerz an sich wird dann wiederum ein Stressfaktor, der die Ausschüttung von wieder mehr Stresshormonen bedingt. Und damit bin ich in einem Teufelskreis drin zwischen Stresshormon, muskulärer Spannung und Schmerz. Was sind denn so Stresshormone eigentlich so Cortisol? Genau, eben nicht Adrenalin und Noradrenalin, weil die nach wenigen Minuten im Körper wieder abgebaut werden, sondern klassischerweise ist Cortisol, das ist das wichtigste Stresshormon für die Entstehung chronischer Schmerzen. Man würde ja denken, wenn man nachts schläft, dann entspannt man sich und dann wird auch der Muskel wieder locker. Aber der hält nachts auch fest. Wenn der Schmerz entsprechend groß ist, hält er auch über Nacht fest. Und wenn ich zusätzlich noch psychische oder psychosoziale Themen habe, dann kann ich auch in der Nacht keinen Schlaf finden. Das heißt, die Ruhezeiten werden entsprechend verkürzt. Ich gehe den nächsten Tag schon mit einem erhöhten Anspannungsniveau an. Und deswegen ist es in der Schmerzmedizin ja auch eine der wichtigen Therapiestrategien, dass man den Schlaf der Patienten normalisiert. Alleine ja schlecht zu schlafen, also macht bei mir z.B. immer Kopfschmerzen. Genau. Ich erinnere mich noch an meine Nachtdienste und immer, wenn man da nicht richtig schlafen konnte, hat der Kopf wehgetan. Ich habe ehrlich gesagt noch nie rausgefunden, das werden sie mir jetzt bestimmt erklären, warum der Kopf wehtut, wenn man nicht gut schläft. Also der klassische schlafmangelinduzierte Kopfschmerz ist dem Spannungskopfschmerz vergleichbar. Und der Spannungskopfschmerz hat was zu tun letztendlich mit einer Anspannung der Haltemuskulatur. Ich habe ja vorher vom langen Rückenstrecker schon gesprochen. Und der beginnt an der Hinterhauptschuppe, also am Hinterkopf, und zieht runter bis zum Steiß. Das ist die gesamte Strecke? Ja. Das ist für das richtiges aha Erlebnis. Ich wollte es schon immer wissen. Hat mir noch nie jemand erklären können. Das ist ganz einfach einfach ein Spannungskopfschmerz. Genau. Okay, interessant. Also nicht Migräne oder sowas, das ist einfach, weil man da so angespannt ist, weil man nicht richtig locker lassen kann in der Nacht. Ich denke mir, was ist mit den Leuten, die halt auch so vielleicht Nasennebenhöhlen oder Nasenprobleme haben, schlecht Luft kriegen. Das sind ja alles so Sachen, die den Schlaf echt stören. Haben die auch alle öfter Kopfschmerzen? Ja, und die haben auch öfter irgendwelche chrodifizierten Schmerzen. Und wenn man den Verdacht hat, entsprechende Risikofaktoren, vorausgesetzt, dass es da ein organisches Thema zusätzlich gibt, im Sinne einer Schlafapnoe, dann gehört der Patient zeitnah in den Schlafbor, dass man das entsprechend bestimmt. Auf der anderen Seite bin ich allerdings auch wiederum jemand, der vor den klassischen Schlafmitteln, also vor den Hypnotikern, typischerweise Zolpidem in Deutschland, durchaus warnt, weil man sich nach kurzer Zeit an diese Medikamente gewohnt hat und die Wirkung nachlässt. Das, was wir in der Schmerzmedizin schlaftechnisch machen, ist, wir reden dort von Schlafininduktion. Man kann sich einfach vorstellen, das menschliche Leben besteht aus einem Vorwärtsgang Aktivität Tag und einem Rückwärtsgang Erholung Nacht. Und damit ich zwischen Vorwärts und Rückwärtsgang hin und her schalten kann, brauche ich eine Kupplung. Und die Kupplung ist die Schlafinduktion. Und dazu gibt es ganz spezielle Medikamente, nämlich Antidepressiva, die in niedrigster Dosierung diesen schlafinindduktiven Effekt aufweisen. Und was ganz toll ist, die verändern die Schlafarchitektur nicht. Das heißt, der Rhythmus der einzelnen Schlafphasen nach Einnahme des Medikaments bleibt unverändert. Ich gebe ja meinen Patienten, die ja auch manchmal mit dem Thema in die Hautarztpraxis kommen, dass sie schlecht schlafen, manchmal den Tip Pultil freisetzendes Melatonin auszuprobieren. Also Melatonin, das ganz kleine Schwuppsser über Nacht aus dem Gehirn quasi simuliert. Also normalerweise ist das ja so von der Physiologie her, dass wir nachts Melatonin als Dunkelheitshormon freisetzen und am besten das in kleinen Schwüngen und nicht einfach als einmal Dosis am Anfang, weil die ja auch ganz schnell abgebaut ist. Und viele Patienten mögen das unheimlich gerne. Ist das auch eine Option? Weil das ist ja jetzt eigentlich auch physiologisch und das geht uns ja auch im Laufe des Lebens verloren, dieses Melatonin. Ja, absolut. Bevor ich auf die Chemie gehe, sollte ich Substanzen verwenden, die möglichst den biologischen Molekülen ähnlich sind. Je größer die Ähnlichkeit, desto besser ist die Verträglichkeit. Das kann man so als ungefähre Regel in der Medizin aufsetzen. Und da spielt es Melatonin eine wichtige Rolle. Doreen interessant. Und was halten sie von so Magnesium und Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel zum Schlaf helfen? Also schaden tut es bestimmt nichtx die Männer kennen ja keinen Schmerz, aber eigentlich sagt man, sind die Frauen das stärkere Geschlecht in Hinblick auf Schmerz. Wie ist bei Ihrer Klientel, in Ihrer Erfahrung? Also ich glaube, dass Frauen inzwischen gelernt haben, das kennt man ja auch aus einer Vielzahl von anderen medizinischen Bereichen, ihre Beschwerden und ihre Bedürfnisse frühzeitig zu artikulieren und entsprechende Hilfe zu suchen. Bei den Männern ist das nach wie vor ein Riesenthema, weil der Besuch eines Arztes und dann noch der Besuch eines Schmerztherapeuten und dann vielleicht noch eine Schmerztherapeutens, der sie wie sieht denn ihr Stressniveau aus? Was macht denn der Job und wie geht es in der Familie? Also diese psychosomatische Dimension, das ist für viele Männer nach wie vor ein Riesenproblem. Und wenn man mich fragt, was ist denn eigentlich meine Hauptaufgabe als Schmerztherapeut oder als neurochirurgischer Schmerztherapeut, dann ist es gerade bei den Männern der Perspektivenwechsel. Die meisten Patienten kommen zu mir mit einem körperlich orientierten Krankheitsmodell. Und meine erste Aufgabe wäre es dann, dieses Modell zugunsten eines modernen, das nennt man dann biopsychosozialen Krankheitsmodell des chronischen Schmerzes abzulösen und diese verschiedenen anderen Dimensionen auch mit ins Spiel zu bringen und dann entsprechend zu behandeln. Es kann durchaus möglich sein, dass die effektivste Therapie gegen einen chronischen Schmerz eine Psychotherapie ist, wo es darum geht, entsprechende Pacing Strategien zu erlernen, entsprechende Entspannungstechniken zu erlernen und dass das weit, weit vor den eigentlichen Medikamenten kommt. Da muss man einfach sehen, jeder Patient bedarf eines Mosaiks von verschiedenen Therapiebauseinen und Männer tun sich bei bestimmten Bausteinen härter als Frauen. Die Techniker macht den Mythen check. Mythos Nr. Eins chronische Schmerzen haben immer eine körperliche Ursache. Chronische Schmerzen haben immer noch eine körperliche Teilursache, aber es gibt eben auch andere Ursachen, die mindestens genauso wichtig sind. Mythos Nr. Zwei chronische Schmerzen sind unheilbar. Eine Vielzahl von Krankheiten, die wir heute behandeln, wie z.B. der Diabetes oder der hohe Blutdruck, sind per se unheilbar, aber sie sind gut behandelbar. Das gleiche gilt für den chronischen Schmerz. Mythos Nr. Drei chronische Schmerzen lassen sich umso besser behandeln, je früher man beginnt. Ja, mehr muss man dazu nicht sagen. Das war der mythen Chck der Techniker. Wir gehen jetzt mal so ein bisschen zur Therapie. Meine erste Frage ist das Schmerzgedächtnis. Da haben sie vorhin drüber gesprochen. Kann man das auch irgendwie wieder löschen? Wenn man sich das Schmerzgedächtnis vorstellt, dass eine Tafel, wo ein Text drauf geschrieben ist, dann gibt es nach wie vor keinen Schwamp mit, den ich einfach die Tafel sauber machen kann. Das gibt es nicht. Aber was ich machen kann, ich kann über den alten Text einen neuen Text drüber schreiben und je häufiger ich diesen neuen Text auf der Tafel hinschreibe, umso weniger gut kann man den Text im Hintergrund, den ursprünglichen Text noch erkennen. Das wäre sozusagen ein Bild, um zu erklären, wie moderne Schmerzmedizin funktionieren kann. Kar wie können sie denn kodische Schmerzen gut wissenschaftlich diagnostizieren und auch messen und nachweisen? Schmerz bleibt immer ein subjektives Symptom. Also wir unterscheiden ja in der Medizin zwischen objektiven und subjektiven Symptomen. Wenn ich einen Patienten habe, der sagt, ich habe Fieber, dann stecke ich ihm das Thermometer unter die Zunge. Wenn das acht und Dreiigma fünf zeigt, dann sage ja, sie haben Fieber. Schmerz bleibt immer subjektiv. Aber wenn wir überlegen, wie wir Menschen miteinander umgehen, dann sind wir prinzipiell darauf angewiesen, dem anderen zu glauben, sonst funktioniert kein Leben mehr. Und wenn ein Mensch in eine ärztliche Einrichtung kommt, in unsere Praxis kommt und er sagt er hat Schmerzen, dann hat er Schmerzen, dann ist ihm das zu glauben und dann machen wir verschiedene Tests, machen psychologische Tests, machen den deutschen Schmerzfragebogen, verschiedene andere Geschichten und damit ist schon mal der Verdacht sehr, sehr groß, dass es sich tatsächlich um eine entsprechende chronische Schmerzerkrankung handelt. Und dann gibt es drei Säulen, die für mich das dann letztendlich beweisen, für mich subjektiv die Subjektivität meines Gegenübers in die Beweiskraft führen. Das eine ist, ich führe mit ihm ein Gespräch und dieses Gespräch dauert im Regelfall um die 40 Minuten und in 40 Minuten lernt man Menschen gut kennen, wenn man die richtigen Fragen stellt. Danach mache ich eine körperliche Untersuchung, ganz altmodisch. Und das dritte ist die Technik. Und die Technik beuht auf zwei teilen. Das eine sind die Bildgebung und die ganzen Labortests, was man an technischen Verfahren hat. Und das was wir in der Schmerzwerkstatt machen, gerade bei den chronischen Rückenschmerzpatienten, wir haben ein System von sogenannten diagnostischen Blockaden. Was bedeutet das? Wir denken wie ein Zahnarzt. Nehmen wir an, ich habe eine Nerv, der irgendwo eingeklemmt ist, irgendwo im Rücken, im unteren Rücken. Da nehme ich ein bisschen örtliches Betäubungsmittel, spritze dieses örtliche Betäubungsmittel unter Röntgenkontrolle, also mit dem fahrbaren Röntgengerät direkt an die Stelle und wenn der Patient wieder danach sagt, der Schmerz ist um 80 90 % gebessert für die Dauer der Wirkung dieses örtlichen Betäubungsmittels, dann habe ich praktischwiesen 80 % des Schmerzes haben was mit diesem Nerv zu tun. Und dann hat man eine eins zu eins Gegenüberstellung und kann sich überlegen, wie schauen die nächsten therapeutischen Schritte Ausung. Mir gefällt dieser ganzheitliche Blick darauf. Das muss genauso sein. Finde ich aber schön, wie sie das anschaulich auch noch mal dargestellt haben. Und in Ihrer Praxis machen sie es ja auch sogar so, dass sie von verschiedenen Fachrichtungen auf einen Patienten blicken. Stellen sie den Patienten dann dem Psychiater, dem Internisten, dem Anästhesisten gleichermaßen vor oder nur wenn es jetzt einen speziellen Bedarf gibt? Also wenn sie schon das Gefühl haben, ah, das geht so in die Richtung zerstörter Nerv oder das geht so in die Richtung Psyche. Wie läuft das? Also bei uns ist es so, wir haben verschiedene Zentren innerhalb der Schmerzwerkstatt. Es gibt ein eigenes Kopfschmerzzentrum, was von meiner Kollegin Frau Dr. Schniebberg geleitet wird und ich bin der Leiter des Rückenschmerzzentrums. Und wenn ein Patient in eines dieser Zentren kommt, die meisten Patienten wissen ja, was ihr primäres Schmerzproblem ist, dann gibt es ein primäres Assessment durch den entsprechenden Vorkollegen und dann wird entschieden, was braucht der denn für entsprechende Fachdisziplinen. Also es ist nicht so, dass jeder Patient alles durchläuft wie ein Hindernisparcours, sondern je nachdem, wie der Bedarf ist, wo die größeren Probleme sind, da holen wir uns dann die entsprechende Expertise aus dem Team dazu. Wie kann man denn chronische Schmerzen jetzt angehen therapeutisch? Sie sind Neurochirurg, da würde man denken, sie operieren das alles weg. Es gibt ja viele dumme Sprüche der Medizin. Eine gibt es in der Neurochirurgie, eine Neurose heilt man nicht mit dem Skalpell. OK, wenn der Schmerz tatsächlich ein chronischer Schmerz ist, der im Wesenlichen, im Schmerzgedächtnis entsteht, dann brauche ich nicht operieren. Und wir haben ja in Deutschland durchaus das Problem, dass im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr, sehr, sehr viel am Rücken operiert wird und die Kennziffern der Rückengesundheit genauso gut oder genauso schlecht sind wie in den Ländern, die deutlich weniger operieren. Also da ist irgendwas schief, um das mal ganz vorsichtig auszudrücken. Und man hat ja auch öfter Patienten, erlebe ich auch in der Sprechstunde, wurden operierten, ist der Schmerz gar nicht weg, sondern noch schlimmer. Genau darauf sind wir spezialisiert. Das nennt man dann Feld Back Sury Syndrom oder Postnkleotomie Syndrom. Und diese Patienten, die persistierende Rückenschmerzen haben nach vorangegangenen Operationen, das ist das Hauptklientel, was ich im Rückenschmerzzentrum sehe. Das Grundprinzip der erfolgreichen Schmerzbehandlung ist das, was man unter multimodaler Schmerztherapie versteht. Und die multimodale Schmerztherapie, die beruht im Wesentlichen auf drei Säulen. Die erste Säule sind die Schmerztherapeuten, die zweite Säule sind die Bewegungstherapeuten. Da können die Physios dazu, da können die Ergos dazu, da können die Osteopathen dazu. Ganz, ganz verschiedene. Und was ist der große Unterschied in der multimodalen Schmerztherapie im Gegensatz zu der klassischen Physiotherapie? Der klassische Physiotherapeut versucht einen Schmerz anzugehen und ihn zu lindern mit seinen Methoden. In der multimodalen Schmerztherapie geht es aber darum, zusammen mit dem Physiotherapeuten oder mit dem ergotherapeuten Rahmen abzustecken für den Patienten, innerhalb derer er sich bewegen kann, ohne dass es zu einer Schmerzzunahme kommt. Also wir gehen einen Schritt zurück. Es geht darum, dem Patienten wieder ein Zutrauen zu seinem Körper zu vermitteln. Man kann ja folgendes normalerweise spüren wir unseren Körper nicht. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht existent ist. In dem Moment, wo der Patient einen einen chronischen Schmerz hat, ist der Körper permanent im Bewusstsein. Der spielt sich immer wieder in den Vordergrund. Das will ich eigentlich gar nicht anders ausgedrü Der chronische Schmerzpatient hat eine Beziehungskrise zwischen seinem Körper und sich. Das heißt, wir müssen Beziehungsarbeit leisten. Und auf der körperlichen Ebene ist die Beziehungsarbeit Aufgabe des Physiotherapeuten oder des Osteopathen oder des Ergotherapeuten. Das ist das Thema. Und die dritte Säule ist dann auch klar, das ist der Schmerz Psychologe, der eben genau diese psychologische Dimension oder psychosomatische Dimension des Schmerzes und des chronischen Schmerzes mit dem Blickfeld hat. Und auf diesen drei Säulen baut dann die entsprechende multimodale Schmerztherapie auf. Was für mich auch noch wichtig ist, wenn man sa okay, was sind wirklich neue Therapiestrategien? Was ist das, was viele Patienten noch nicht gehört haben und was istas, was man ihnen wirklich mit auf den Weg geben könnte? Das ist all das, was man als Neuromodulation bezeichnet. Hinter dem Begriff der Neuromodulation versteckt sich das Prinzip, dass sich Schmerzen durch die Anwendung von elektrischer Energie, von elektrischem Strom beeinflussen kann. Ich habe ja ganz am Anfang gesagt, dass die Nervenbahnen nichts anderes machen, als elektrische Impulse leiten. Und wenn ich jetzt eine Elektrode auf diese entsprechenden Bahnen aufbringe und daran eine entsprechende Batterie, ganz vereinfacht ausgedrückt drauflege oder das mit kombiniere, dann kann ich durch die Abgabe dieser Stromimpulse die Weiterleitung der Schmerzimpulse hemmen oder ausschalten. Und soas gibt es z.B. im Rahmen der Rückenmarkstimimulation seit über 20 Jahren und Soas gibt es auch im Rahmen von Radiofrequenztherapien. Also es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, wo wir inzwischen mit dem Einsatz von Strom ohne die Nebenwirkungen der Medikamente eine wesentliche Schmerzreduktion erzielen können. Synchronische Schmerzen gefährlich? Eindeutiges ja. Erster Grund. Wir haben ja vorher schon gesprochen über den Zusammenhang zwischen chronischer Schmerz und psychischen Störungen, haben festgestellt, dass der chronische Schmerz eine Verstärkung auch für die Depression sein kann oder ein Co Faaktor für eine Depression sein kann. Und wenn sie sich anschauen, wie ist die Lebenserwartung von depressiven Patienten, wie sieht deren Overall Gesundheit aus? Dann werden sie feststellen, die sind deutlich schlechter als die Normalbevölkerung. Also da gibt es mal eine klare Geschichte. Das zweite der chronische Schmerz zeigt ja ein Leid an. Wir sprachen von Einsamkeit und wir sprachen von Ängsten. Verschiedenen anderen Dingen. Und Menschen, die unglücklich sind, die haben auch einen schlechteren Gesundheitszustand. Die Seele und der Körper natürlich so psychosomatisch leidet dann auch. Und wahrscheinlich hat man dann mehr Stresshormone, haben sie gesagt, und dann hat man auch gleichzeitig mehr Entzündungen insgesamt im Körper und altert schneller. Also dann hat man gleich Sekundäreffekte negativer Art. Und das heißt, was bedeutet das z.B. für das Immunsystem? Haben sie da Beobachtungen? Es gibt Daten, die zeigen, dass chronische Schmerzpatienten eine schlechtere Immunleistung haben. Z.B. gemessen Häufigkeit von bronchopulmonalen Infektionen. Das Immunsystem ist einfach nicht fit, es ist nicht entspannt. Wenn sie Stresshormone ausschütten im Körper, gibt es praktisch kein Organsystem, was nicht darunter leidet, was keine negativen Effekte hat. Stresshormone bedeuten ja immer Notfallprogramm, Überlebensprogramm. Alles, was nicht absolut lebensnotwendig ist, wird in seiner Aktivität nach unten gefahren. Wir wissen, dass Gesundheit etwas mit Gleichgewicht zu tun hat. Und permanent erhöhte Stresshormonspiegel sind genau eine Störung dieses Gleichgewichtszustands. Wenn jemand ja immer Schmerzen beispielsweise im Rücken hat, das ist ja auch so ein bisschen eines ihrer Spezialgebiete, dann ist man verleitet, vielleicht auch weniger sich zu bewegen und weniger Sport zu machen, weil immer diese Schmerzen da sind. Was raten sie Menschen mit Rückenschmerzen? Können sie so ein paar Tipps geben? Also das erste ist, nicht in die Bewegungslosigkeit verfallen. Das Allerschlimmste, was man machen kann, ist tatsächlich sich ins Bett zu legen und sich irgendwie zuzudrünnen. Bewegung ist absolut wichtig, weil nur über die Bewegung kommt es zu einer Lockerung der Muskulatur. Wenn ich lange in einer statischen Position verhare, egal ob sitzen, stehen oder liegen, macht die Muskulatur zusätzlich zu und ich generiere einen neuen Schmerzreiz, einen neuen Schmerzkreiislauf. Also Bewegung ist A und O. Das nächste, was wichtig ist, einfach mal mit einfachen Mitteln probieren, das Problem zu lösen. Ganz einfach, wenn ich einen muskulären Schmerz habe, Wärme ausprobieren wirkt oft Wunder. Ich gehe in die heiße Badewanne oder ich mache eine heiße Dusche. Wenn der Schmerz 20 dreiig % besser ist, sollte man das tun. Das nächste ist, es schadet auch nichts, wenn man für ein oder zwei Tage mal ein Ibuprofen nimmt. Also 600 mg zweimal am Tages, völlig ausreichend. Und der Nächste praktische habt ein bisschen Geduld. Wenn ich mir so die Fragen anschaue, die wir bekommen, die Leute alles, was nicht nach 24 Stunden weg ist, muss irgendwie ganz schlimm und ganz ernst sein. Nein, so ein Rückenschmerz, der kann mal zwei, drei Tage dauern, das ist völlig normal. Geduld, keine Panik. Sie haben jetzt schon von Sauna und heißen Badewannen gesprochen. Wir hatten das Thema Massage. Wie sieht es aus mit Eisbaden und Kältekammer? Ganz schwieriges Thema. Also wenn sie sich die Physiologie anschauen, dann ist es so, durch Kälte kommt es zu einer Verringerung des Gefäßdurchmessers in den entsprechenden Hautarealen. Aber dann in der zweiten Phase kommt es zu einer reflektorischen Übererweiterung dieser Gefäße. Und gerade diese zweite Phase ist ja eigentlich das, was man gar nicht will. Und insofern, in den allermeisten Fällen empfehle ich meinen Patienten Wärme und wenn es nichts hilft, auf die Kälte zu verzichten. Ach, interessant. Ah ja. Also nur beim Entzündungsschmerz ist dann die Hitze natürlich nicht so gut. Da muss man ja erstmal ein bisschen kühlen. Ich rede jetzt von muskulären Schmerzen. Sehr spannendel. Yoga, Pilates? Pilates, ja. Yoga finde ich schwierig, aus der Wirbelsäulecke kommend, weil das sind sehr, sehr lange statische Phasen von Anspannung, von Muskelgruppen, die wir normalerweise so nicht anspannen. Qig, Goong ya, uneingeschränkt. Tai Chi auch. Pilates auch. Yoga. Okay. Und denen wahrscheinlich immer morgens, mittags und abends, wenn ich ein Schreibtischt Täter bin. Es gibt so einen ganz einfachen Set von drei, vier, fünf Übungen, die mache ich morgens einmal, am Nachmittag einmal und alle Stunden aufstehen und zwei, drei Dehnübungen machen. Jetzt müssen wir aber auch über die negativen Effekte der Schmerzmittel sprechen, denn die können ja auch abhängig machen und dann erst recht einen Entzugsschmerz. Sie sprechen jetzt von Opiaten. Grundsätzlich ist es so, dass die Opiate die letzte Gruppe von Schmerzmedikamenten ist, die man einsetzt. Vorher gibt es ja andere Gruppen. Da gibt es die Entzündungshemmer, die nicht stört allen Antiflogistika, kennt jeder. Ibuprofen, Dicllofenakte sind die Namen dieser Entzündungshemmer. Dann gibt es eine weitere Gruppe von Schmerzmitteln, das wichtigste davon, das Novalgin oder Metimazol ist das gleiche oder eben Paracetamol. Und erst dann kommen die Opiate. Und was wichtig ist, wir haben ja besprochen, es gibt den akuten Schmerz, der sozusagen in der Peripherie mit einer Gewebchädigung einhergeht. Und wir haben gesagt, es gibt chrodifizierten Schmerz, dem eine Funktionsstörung von Gehirn und Rückenmark zugrunde liegt. Und einzig die Opiate beeinflussen die Rückenmarks und die Hirnfunktion. Deswegen haben die ja auch ein entsprechendes Suchtpotenzial, Abhängigkeitspotenzial. Und da gibt es ein paar Grundsätze. Das erste ist, ich muss mir ganz genau ülegen, braucht der Patient überhaupt ein Opiat? Habe ich vorher die anderen medikamentösen Strategien ausgenutzt oder nicht? Und wenn er ein Opiat braucht, dann brauche ich eines, was er gut verträgt und was möglichst konstanten Spiegel hat. Weil die Abhängigkeit und die Nebenwirkungsrate hängen häufig zusammen mit den Auf und ab Bewegungen der Konzentration des entsprechenden Medikaments im Blut. Und eine der Dinge, die man da z.B. verwenden kann, um diese Schwankungen möglichst gering zu halten, ist, dass man anfängt mit Opiat Pflastern zu arbeiten. Wenn ich ein Bufrerphin Pflaster hernehme, ist ein mögliches Präparat, dann klebt es sieben Tage an der gleichen Stelle, setzt über sieben Tage hinweg die gleiche, mehr oder weniger die gleiche Menge frei, die gleiche Menge an Opiaten frei und hat ganz geringe Schwankungen. Nach sieben Tagen kommt das Pflaster weg und dann wird eins auf die Gegenseite geklebt. Also da gibt es schon Möglichkeiten, das Risiko zu minimieren. Man soll ja Schmerz auch präventiv behandeln und nicht erst warten, bis er wieder da ist und voll entfaltet. Stimmt das? Ja, also ich habe ja gesagt vorher, alles was über fünf ist, ist schlecht. Deswegen ist das erste Ziel der medikamentösen Schmerzbehandlung, drücke den Schmerz unterhalb der Chronifizierungsschwelle von fünf. Und was sagen sie zu den potenziellen Nebenwirkungen auf die Niere, auf das Herz? Also nicht steidale Antifloistika, Diiglofenac insbesondere ist kein gutes Medikament für die Dauereinnahme. Alles was über drei Wochen hinweg geht, muss man ein großes Fragezeichen dahinter machen. Wir wissen aus einer Vielzahl von Studien, Diclofenac erhöht die Rate an Herzinfarkten und Schlaganfänen. Es gibt Studien, die versuchen nachzuweisen, dass es aufgrund von gastrointestinalen Blutungen allein in Deutschland pro Jahr etwa 2000 Todesfälle gibt. Also das ist ein relativ schwieriges Medikament. Novagin, Metabameolo, Novamins, Suulfon, drei Namen für eine Substanz. Also ein Präparat, was 1905 und dreiig erstmals in Deutschland auf den Markt gekommen ist, alt. Und das hatte auch eine schlechte Publicity, weil es eine Nebenwirkung machen kann, nämlich den plötzlichen Abfall der weißen Blutkörperchen. Und das wurde dann verteufelt. Ich finde das hochproblematisch, weil heute hat man den Grund verstanden, warum es zu dieser Agrandozytose kam. Das ist ein Gendefekt, der in der skandinavischen Bevölkerung endemisch ist. Und zumindest hier in Bayern ist es unwahrscheinlich, dass die Skandinavien, abgesehen vom dreiss jährigen Krieg hier irgendwelche Vorfahren meiner Patienten entsprechend genetisch verunreinigt haben. Und insofern, es gibt ein paar grundsätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Wenn ich einen bronchiopulmonalen Infekt habe, eine Grippe habe, da nehme ich keine Ovagin. Aber ansonsten ist das Medikament gut verträglich, hat keine Nierentoxizität, wird über die leber Verstoff wechselt. Und das ist eigentlich das am besten verträgliche Schmerzmittel. DOREEN okay, das finde ich ganz gut und auch wichtigo wir sagen jetzt unseren Zuhörerinnen und Zuhör Schmerzmittel sind okay für eine gewisse Zeit und man sollte sie am besten mit dem Arzt besprechen, was für einen individuell geeignet ist. Aber man muss keine Panik davor haben. Das habe ich jetzt so rausgehört. Ja, wenn es um die Behandlung chronischer Schmerzen geht, dann sollte ein Schmerztherapeutin zugezogen werden, weil in der medikamentösen Schmerztherapie gibt es ja immer das große Thema der Co Analgetika. Also co Analgetiker in der Schmerzmedizin sind Medikamente, die allein nicht zu einer Schmerzminderung führen, aber in Zusammenklang mit den Schmerzmitteln eine deutliche Schmerzminderung zur Folge haben. Und es sind zwei Gruppen der Co Analettikiker, die man heutzutage einsetzt. Das eine sind bestimmte Formen der Antidepressiva und das zweite sind Substanzen wie Pregabalin oder Gabapentin. Also letztendlich Medikamente, die entwickelt worden sind zur Behandlung von epileptischen Krampfanfällen. Also Epilepsie ist ja nichts anderes als zu viel von elektrischer Energie in bestimmten Hirnarealen. Chronischer Schmerz ist auch zu viel etktische Energie in anderen Hirnarealen. Aber ich nehme die gleiche Substanz her und kann damit in der Kombination Schmerzmittel plus Antidepressiva den Schmerz signifikant reduzieren, die einzelnen Dosen entsprechend niedrig halten und damit weniger Nebenwirkungen auslösen. Ich beobachte auch oft, dass Frauen, und das erzählen ja auch manchmal die Orthopäden, wenn die ihre Gelenkschmerzen bekommen in der Mennoause, dass die dann natürlich super weggehen, wenn man den bioidentische Hormone gibt oder wenn man Entzündungen ein bisschen reduziert durch Omega Fettsäuren und Vitamin D, so wie sie es vorhin gesagt haben. Also dass man da den Blick offen hält, dass man nicht nur mit Schmerzmitteln arbeiten muss, sondern dass es eben auch weitere hilfreiche, ganz andere Stoffgruppen geben kann. Wie ist es, wenn man chronische Schmerzen hat? Wie ist die Beziehung zu Freunden, wie ist sie zu Familie? Wie geht es Sexualität dann überhaupt noch? Was sagen da die Patienten? Der klassische chronische Schmerzpatient, der erlebt einen sozialen Rückzug. Der zieht sich aus der Zweierbeziehung, aus der Partnerschaftsbeziehung zurück, häufig auch in der sexuellen Dimension, vermeidet soziale Kontakte, wird griessgrämig, würde man sagen. Immer wieder auch mal aggressive Tendenzen, einfach kurze Zündschnur, geht schnell in die Luft. Hat jeder von uns schon mal durchgemacht, solche Phasen. Letztendlich sitzt der Schmerzpatient in einem Gefängnis und die Mauern dieses Gefängnis bestehen aus dem Schmerz und er kann nicht mehr raus. Und das Ziel ist am Anfang tatsächlich, zu diesem Patienten in die Gefängniszelle hineinzugehen und zu gucken, was braucht da ein Werkzeug, dass er Stück für Stück dieses Gefängnis einreißen oder reduzieren kann. Was sind denn so realistische Ziele? Was kann man Patienten mit chronischen Schmerzen versprechen oder worauf kann man hoffen? Vielleicht können sie uns da ein bisschen was auf den Weg mitgeben. In der Beziehung eines chronischen Schmerzpatienten zu seinem Schmerztherapeuten sitzt der Schmerztherapeut im Beifahrersitz und der Patient fährt. Und der Schmerztherapeut ist das Navi. Das heißt, wir arbeiten auf Augenhöhe und der Erfolg der Behandlung wird davon abhängig, zu einem wesentlichen Teil, inwieweit sich der Therapeut seinem Patienten gegenüber öffnet und inwieweit sich der Patient auch gegenüber den Vorstellungen des Therapeuten öffnet. Also ich glaube, das ist die wesentliche Botschaft im Arzt Patientenverhältnis. Das ist anders als in vielen anderen Bereichen in der Medizin, ist viel partnerschaftlicher. Und das andere, was mir wirklich am Herzen liegt, ist diesets es gibt keinen eingebildeten Schmerz. Das muss verstanden werden, weil ich tagtäglich immer noch nach dreiig Jahren in der Praxis mit diesen Themen konfrontiert wer ja, bilde ich mir den Schmerz denn dann ein, wenn man auf dem Bild nichts sieht? Kersch, ich bin negativ. Ja, bilde ich mir ein. Nein, Käse. Und wenn jetzt ein Patient bei ihnen war und es geht in Richtung Heilung oder Verbesserung, was sagen denn die Patienten? Woran merken sie, dass sie jetzt langsam gesünder werden? Und woran merken sie das als Therapeut oder als Arzt? Ich frage immer was habt ihr denn gemacht? Was habt ihr die letzten 14 Tage gemacht? Was gab es für Aktivitäten? Und wenn es dem Patienten besser geht, dann trifft er sich wieder mehr mit seinen Freunden, als er geht zum Bergsteigen oder er geht zum Radlfahren. Er nimmt wieder mehr am Leben teil. Oder andere sact ist. Mich freut es immer, wenn Patienten mir sagen, ich war jetzt bei meinem Psychotherapeuten, sie haben ja gesagt, ich soll diese Psychotherapie machen und jetzt habe ich das eine oder andere begriffen. Ich weiß jetzt wo ich mich ändern muss. Ich muss mich mehr abgrenzen, ich kann mich nicht mehr ausnutzen lassen, ich muss meine Pacing Strategien einhalten, ich muss mit meinem Vorgesetzten sprechen, dass zusätzliche Überstunden in einem erträglichen Rahmen bleiben. All diese Dinge. Oder ich habe wieder angefangen, mit meinem Partner zu sprechen. Das sind die positiven Erfolgserlebnisse, aber auf der anderen Seite auch eine Vielzahl von negativen Erlebnissen, weil in vielen Fällen gelingt es mir nicht oder nicht im ausreichenden Maße, tatsächlich diesen Perspektivenwechsel zu befördern, einzuleiten und zu begleiten. Diese Patienten sind dann häufig sehr unglücklich und sehr unzufrieden und häufig wütend auf mich. Trotzdem haben wir heute eine ganze Menge positiver Ansätze gehört und was man auch präventiv eben machen kann, dass es so die ganzheitlichen Lebenstipps sind wie Schlaf, wie Bewegung, wie angenehme Reize, vielleicht auch Rhythmen, die man sich einbaut. Wir haben über ganz vieles gesprochen und von daher finde ich, haben sie doch ganz gut Hoffnung gemacht. Was mir besonders gut gefallen hat, ist der ganzheitliche Blick, den sie mit ihren Kollegen auch auf ihre Schmerze ##merz Patienteten richten und dass sie sprechende Medizin praktizieren, die aber leider heutzutage echt viel zu kurz kommt und was natürlich auch schon einen heilsamen Effekt hat. Da ist jemand, der sich kümmert aus professioneller Sicht und zuhört und körperliches und seelisches zusammensieht und dass sie ihre Patienten ernst nehmen. Und ich danke ihnen sehr für dieses wirklich unglaublich informative, aufregende Gespräch. Danke für die Einladung und nochmal schöne Grüße aus München. Danke, ciao. Das war's für heute. Die nächste Folge von ist das noch gesund? Erscheint in einem Monat. Um sie nicht zu verpassen, folge uns einfach in deiner Podcast App. Wenn dir unser Podcast gefällt, hinterlasse gerne eine Bewertung. Bei Fragen, Kritik oder Themenvorschlägen erreichst du uns unter podcastk de oder nutze einfach die Social Media Kanäle der Techniker. Vielen Dank fürs Zuhören. Ich freue mich schon aufs nächste Mal. Bis dann, eure Yael Adler.