Der Podcast wird von Petra Ahne, Redakteurin im Feuilleton, und Pjotr Heller, Redakteur im Ressort Wissenschaft, moderiert. In dieser Folge diskutieren sie einen wichtigen Aspekt der Genozidforschung, insbesondere die Arbeit der belgischen Neuropsychologin Emily Kasper, die sich mit den kognitionspsychologischen Aspekten von Genoziden beschäftigt.
Emily Kasper hat sich mit Menschen getroffen, die an Völkermorden beteiligt waren, um zu verstehen, wie Empathie durch blinden Gehorsam ersetzt werden kann. Ihr Ziel ist es, die "Mauer des blinden Gehorsams" einzureißen, was sie auf der Falling Walls Konferenz in Berlin präsentiert hat. Sie argumentiert, dass viele Täter von Völkermorden, unabhängig von der Kultur oder dem Ereignis, ihre Taten mit Gehorsam gegenüber Befehlen rechtfertigen, was sie als universelles Muster sieht.
In ihren Forschungen hat Kasper Experimente am University College London durchgeführt, in denen Testpersonen anderen Personen Elektroschocks verabreichen konnten, entweder auf Befehl oder aus freiem Willen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Gehirnaktivität, insbesondere das Gefühl von Autonomie und Empathie, reduziert war, wenn die Probanden auf Befehl handelten.
Kasper hat sich auch mit Tätern und Rettern aus Ruanda und Kambodscha getroffen. Sie fand heraus, dass die Retter eine höhere Gehirnaktivität bei der Verarbeitung der Emotionen der Opfer zeigten und oft familiäre Vorbilder hatten, die ebenfalls Menschen gerettet hatten. Dies deutet darauf hin, dass Vorbilder und empathische Fähigkeiten eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielen, anderen zu helfen.
Kasper plant, ein Kinderbuch zu entwickeln, um Kindern Vorbilder vorzustellen, die sich in kritischen Momenten ungehorsam verhalten haben. Dies könnte helfen, die Fähigkeit zu stärken, sich in entscheidenden Momenten für das Richtige zu entscheiden.